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Der Bewegungsapparat

Der Bewegungsapparat besteht im Allgemeinen aus Muskeln, Knochen, Gelenken und anderen Geweben, letztere werden im Rahmen dieses Projektes außeracht gelassen. Die Muskeln eines jeden Tiers sind der aktive Part des Bewegungsapparates, während Knochen und Gelenke eher eine passive Rolle bekleiden. Die Fortbewegung von Lebewesen (Lokomotion) ist eine essentielle Funktion, die einem Organismus vielerlei Dinge ermöglicht, wie z.B. Nahrungsaufnahme, Paarung und sogar Kommunikation. Aus biologischer Sicht ist die Bewegung ein komplexer Sachverhalt, bei dem aus einem neuronalen Signal eine mechanische Aktivität wird.

Wie anfänglich bereits erwähnt, spielen Muskeln eine große Rolle bei der Bewegung. Am Anfang einer jeden Bewegung steht ein neuronaler Reiz, der elektrisch über die peripheren Nerven weitergeleitet wird. Am Ende dieser „Leitung“ steht eine motorische Endplatte, die auf den Muskelzellen aufliegen. Das elektrische Signal wird hier in ein chemisches (Neurotransmitter) Signal umgewandelt. Ganz grob gesagt, erhält der Muskel den Befehl sich zu verkürzen. Der Muskel hat einen Ursprung und einen Ansatz. Dies sind Anheftungsstellen an den Skelettknochen, wobei der Ursprung den rumpfnahen Punkt meint und der Ansatz den rumpffernen Punkt. Durch die Kontraktion (zusammenziehen) wird der anliegende Knochen bewegt. Wenn mehrere Muskeln zusammenarbeiten, dann nennt man sie Synergisten. Bewegt ein Muskel das Gelenk in eine andere Richtung als ein anderer Muskel, so sind beide Antagonisten.

Grundsätzlich kann man zwei Muskelarten voneinander unterscheiden:

  • Die glatte Muskulatur (Viszera)
  • Die quergestreifte Muskulatur(Skelettmuskulatur)

Muskeln Fledermaus

 

  1. M. pectoralis
  2. M. sternocleidomastoideus
  3. M. trapezius
  4. M. scaleni
  5. M. temporalis
  6. M. orbicularis oculi
  7. M. zygomaticus
  8. M. masseter
  9. M. leviator nasolibialis
  10. M. orbicularis oris sup.
  11. M. orbicularis oris inf.
  12. M. pectoralis sin.
  13. M. gracilis
  14. M. gastrocnemius
  15. M. glutaeus superficialis
  16. M. latissimus dorsi
  17. M. seratus anterior
  18. M. abdominal obliques (der Pfeil zeigt fälschlicherweise zu weit kranial)
  19. M. triceps brachii
  20. M. biceps brachii
  21. M. flexor carpi radialis
  22. M. extensor digitorum longus
  23. M. abductor pollicis + M. opponens pollicis
  24. M. extensor tendons
  25. M. rectus abdominalis
  26. Umbilicus

 

In der Abbildung ist deutlich zu sehen, dass die Fledermaus ihre Muskeln auf das Fliegen konzentriert hat. Während Beinmuskeln, Rumpfmuskeln sowie Gesichtsmuskeln verkümmert sind, ist gerade der Musculus pectoralis, der Musculus trapezius und der Musculus latissimus dorsi sehr stark ausgeprägt. Diese Muskeln dienen primär der Flugmechanik. Zwar sind die Muskeln im Bereich der Flügel auch relativ gut ausgeprägt, jedoch kommen ihnen nur feinmotorische Bewegungen zur Navigation zu. Wir Menschen nutzen gerade die Extensoren und Flexoren der Carpalia für feinmotorische Bewegungen der Hand. Daraus lässt sich schließen, dass die Fledermaus prinzipiell die gleichen „Werkzeuge“ besitzt, wie wir Menschen, sie jedoch nutzt, um ihren Flug zu koordinieren. Zu unserer Überraschung scheint die Ohrmuskulatur weder besonders ausgeprägt, noch verkümmert. Die Fledermaus steuert ihre Ohren mit grundsätzlich drei Muskeln, die wir hier allerdings nicht weiterbearbeiten.

Den passiven Part des Bewegungsapparates bekleidet das Skelett. Für die meisten Menschen ist die devote Rolle der Knochen geradezu unverständlich, denn das Skelett ist seit jeher das, was der Laie unter Anatomie kennt. Doch auch Knochen haben wichtige Funktionen:

  •  Stützfunktion
  •  Speicherfunktion von Mineralien
  •  Blutbildung
  •  Passiv an Bewegung beteiligt
  •  Schützt wichtige Organe (Thorax)

Dabei gibt es allein im menschlichen Körper 214 Knochen und viele verschiedene Arten von Knochen, wie die Röhrenknochen oder Plattenknochen. Auf die genauen Knochenarten einzugehen ist an dieser Stelle zu trivial. Auf dem folgenden Bild erkennt man die Skelettgruppen des Fledermauskörpers:

Knochengruppen Fledermaus

  • Gelb: Schädel bzw. Kopf (O. cranium oder caput)
  • Orange: Columna vertebralis (Wirbelsäule)
  • Pink: Thorax (Brustkorb)
  • Rosa: Extremitäten
  • Lila: Pelvis (Becken)
  • Grün: Finger und Füße

Wie unschwer zu erkennen ist, besitzt die Fledermaus den säugetiertypischen Skelettaufbau. Ihre „Fingerglieder“ sind stark differenziert, da sie die Rolle des Flugskeletts übernehmen. Das Skelett der Fledermaus ist sehr leicht und dies lässt sich auch gut auf der Skelettskizze sehen. Auf große, wuchtige Knochen wurde bei der Fledermaus bewusst verzichtet, damit sie ein optimales Fluggewicht erhält. Der Schädel der Fledermaus ist hier nur im Umriss dargestellt, da es unter den Fledermäusen selbst sehr starke Unterschiede gerade im Bereich des Schädelknochens gibt. Was man aber allgemeinhin sagen kann ist, dass die Schädelhöhlen (beispielsweise Sinus frontalis) stärker ausgeprägt sind, um dem Schädelknochen an Gewicht zu nehmen.

Skelett Fledermaus

  1. Os cranium
  2. Os maxilla
  3. Os mandibula
  4. Dens sectorius
  5. Dens molaris
  6. Os clavicula
  7. Os sternum
  8. Pollex (Digitus I)
  9. Digitus II
  10. Digitus III
  11. Digitus IV
  12. Digitus V
  13. Ossa carpalia
  14. Os humerus
  15. Os radius + Os ulna
  16. Ende BWS + LWS
  17. Os sacrum
  18. Os ilium
  19. Os ischii
  20. Os pubis
  21. Os femur
  22. Vertebrae caudales
  23. Os tibia
  24. Os fibula
  25. Ossa tarsalia
  26. Os costa V
  27. Xiphoid process

 

Zu bemerken ist, dass das Os sacrum knöchern verwachsen ist mit dem Os ilium (Synostose). Dieses Phänomen lässt sich besonders bei Vögeln beobachten. Welcher Zusammenhang zwischen der ähnlichen Anatomie und den Flugmechanismen existiert, ist bisher noch unbekannt.

 

Quelle:

Tierphysiologie: Jetzt mit Glossar von Roger Eckart und mehr. 2002, Thieme Verlag

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